Spielzeugfreier Kindergarten

08.01.2018 KG Halten und Oekingen

Im Dezember konnten die Kinder mitbestimmen, welche Spielsachen weggeräumt werden. Als die Kinder im Januar in den Kindergarten kamen, waren auch die restlichen Spielsachen verräumt. Folgende Materialien standen den Kindern in den nächsten drei Monaten zur Verfügung: alle Möbel (Tische, Stühle, Regale), Teppiche, Kissen, Röhren, Tücher, Seile, Wäscheklammern. 

Die Kinder gewöhnten sich schnell ans offene Spiel ohne Vorgaben und Strukturen. Sie hatten vom ersten Tag an gute Spielideen und genossen die Freiheit, ihr Znüni dann zu essen, wann sie Hunger hatten. Es gab während der gesamten Zeit immer wieder Hochs und Tiefs. Grundsätzlich fanden die Kinder oft in ein abwechslungsreiches Spiel.  

Hier einige Ideen, welche die Kinder in der spielzeugfreien Zeit umsetzten. 

  • Familie spielen: Rollen wie Mutter, Vater, Kind, Hund und Katze verteilen, verschiedene Alltagsituationen nachspielen, sich ein Haus einrichten. 
  • Fasnachtsumzug nachahmen: es gab Wagen (Tische geschmückt), Guggenmusik (Schlagwerk und Blasinstrumente), Konfettis (Tücher) und Süssigkeiten (Wäscheklammern) welche den Zuschauern zugeworfen wurden 
  • Schule spielen: ein Kind war die Lehrerin, die anderen Kinder SchülerInnen, es wurde geschrieben, gezeichnet, gerechnet, geturnt, Pause gemacht, Lieder gesungen und Spiele gespielt. 
  • Gebäude bauen: mit Hilfe von Tischen, Tücher, Stühle wurden Hütten, Häuser, Schlösser und Höhlen gebaut, diese Gebäude wurden dann ausgiebig bewohnt und bespielt. 
  • Reisen: mit verschiedenen Fahrzeugen (Schiff, Bus, Zug, Flugzeug) wurden fremde Orte bereist. 

Wenn die Kinder ein Problem hatten, konnten sie den sogenannten „blauen Stuhl“ benutzen. Das Kind mit einem Anliegen stand auf den Stuhl und klingelte mit der Glocke. Dieses Signal bedeutete, dass sich alle Kinder um den „blauen Stuhl“ sammeln mussten. Das Problem wurde geschildert und die anderen Kinder versuchten Ideen zu bringen, wie das Problem gelöst werde könnte. Manchmal dauerte dies nur kurz, bei komplexeren Problemen wurde mit der Zeit länger und ausführlicher diskutiert. 

Folgende Fähigkeiten konnten die Kinder während den drei Monaten erwerben: 

  • sich verständlich machen und andere verstehen 
  • eigene Bedürfnisse wahrnehmen und Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen 
  • sich selber Aufgaben stellen und Probleme lösen 
  • Beziehungen aufbauen, sich bei anderen Hilfe holen und gemeinsam Lösungen finden 

Eine intensive und lehrreiche Zeit geht zu Ende und nach den Frühlingsferien, werden wieder einige Spielsachen im Kindergarten einziehen und der reguläre Kindergartenalltag gelebt. Was wir mitnehmen ist den Mut, den Kindern mehr zuzutrauen und die Freiheit, weniger Strukturen und Anleitungen zu geben.